GS1 Exchange 2026: Umweltaussagen belegen, Produktdaten anfassen
· Imke Schröer · etwa 4 Minuten Lesezeit
„Aus Regulatorik wird Umsetzung“: Unter diesem Motto steht der GS1 Exchange „Data for Sustainability“ am 4. November 2026 im GS1 Germany Knowledge Center in Köln. Es geht darum, wie Unternehmen Nachhaltigkeitsdaten nutzbar machen und EU-Vorgaben wie PPWR, EmpCo, EUDR und CSRD umsetzen, mit Keynotes aus Industrie, Handel und Wissenschaft und einer eigenen Session zu jedem dieser Themen. benelog ist mit einem eigenen Stand dabei und stellt sich am Vormittag in den Partner Pitches vor. Sven Böckelmann, unser Tech Lead und Co-Chair der GS1 GSMP Visibility SMG, spricht außerdem in der Session zu EmpCo darüber, wie sich Umweltaussagen belegen lassen.
Warum korrekte Zahlen nicht reichen
Seit September 2026 liegt die Beweislast für Umweltaussagen beim Werbenden. Das klingt zunächst einfach: Wer eine Aussage macht, muss die Daten dazu haben. Svens Beispiel zeigt, warum das allein nicht genügt.
Eine PET-Flasche wird mit „aus 80 % Recyclingmaterial“ beworben. Die Zahl stimmt, allerdings nur für den Flaschenkörper. Verschluss und Etikett enthalten kein Rezyklat. Fehlt diese Einschränkung, wird aus einer korrekten Zahl eine unzulässige Aussage. Ein belastbarer Nachweis muss deshalb auch sagen, wofür eine Angabe gilt und wofür nicht.
Im Digitalen Produktpass gilt das erst recht. Wer dort nachsieht, will es genau wissen. Sven zeigt, wie sich solche Angaben mit EPCIS 2.0 und GS1 Digital Link so abbilden lassen, dass sie nachvollziehbar bleiben, und zwar an einem lauffähigen Beispiel.
Ein Produktpass zum Anfassen
Für den Stand hat Sven drei Puppenkleider seiner Tochter mitgebracht. Zu jedem Kleidungsstück gibt es eine laminierte Karte mit Produktbild, QR-Code und einfachem NFC-Tag, einmal für das Modell und einmal für genau dieses eine Stück. Wer scannt, landet über einen GS1 Digital Link beim Produktpass, entweder bei den Angaben, die für alle Kleider dieses Modells gelten, oder bei denen des einzelnen Exemplars. Der Pass ist auf Basis des GS1 Web Vocabulary aufgebaut, genauso wie die Beispielpässe auf unserer Seite zum Digitalen Produktpass.
Der eigentliche Clou steckt in den Kleidern selbst. Sven hat dort Tags eingebügelt, die bei jedem Scan einen neuen, verschlüsselten Nachweis erzeugen. Das sind Trusted Tags. Mit ihnen lässt sich prüfen, ob ein Kleidungsstück echt ist und der Link nicht einfach von einer Karte kopiert wurde. Wer das echte Stück in der Hand hält, kann außerdem mehr tun als nur nachlesen: das Produkt auf sich registrieren oder ein Problem damit melden.
Textilien gehören zu den Produktgruppen, die die EU beim Digitalen Produktpass vorrangig angeht. Ein Puppenkleid ist dafür ein kleines, aber vollständiges Beispiel.
Was hinter dem Scan steckt
Ein GS1 Digital Link führt nicht nur zu einer einzigen Seite. Hinter ihm steht eine Liste von Verweisen, das sogenannte Linkset. Darin ist festgehalten, wohin der Link führen kann: zum Produktpass, zu Pflegehinweisen, zu Informationen über das Recycling oder zu Zertifikaten. Welches Ziel jemand sieht, hängt davon ab, wer fragt und wozu.
Hier setzt Sven das Linkset ein.
Vom Beispiel zur eigenen Anwendung
Mit epc.is (öffnet in einem neuen Tab) startet benelog rund um den GS1 Exchange eine kostenlose Beta, mit der Unternehmen ihren eigenen Digitalen Produktpass veröffentlichen können. Jedes Produkt bekommt dort einen Trusted Link: einen GS1 Digital Link unter der eigenen GS1-Basisnummer, im QR-Code, im DataMatrix oder im RFID-Tag. Mit einem Trusted Tag lässt sich zusätzlich die Echtheit des Produkts prüfen.
Mehr zu den Anforderungen an Umweltaussagen lesen Sie auf unserer Seite zu EmpCo.